Knapp 60 Jahre ist es her, seit in St. Andrä am Zicksee der Grundstein für das heutige Orthopädische Klinikum SKA Zicksee des KOBV - Der Behindertenverband für Wien, NÖ und Bgld. gelegt wurde. Die Gleichenfeier folgte wenige Monate später, die feierliche Eröffnung durch den damaligen Bundespräsidenten Franz Jonas im Jahr 1968. Seither hat sich das ursprüngliche Kur- und Erholungszentrum zu einer fixen Größe als Rehabilitationszentrum in der orthopädischen Rehabilitation entwickelt. Heute verfügt die SKA Zicksee über 140 Betten und betreut pro Jahr rund 2.100 stationäre Patientinnen und Patienten.
Die Geschichte der SKA Zicksee beginnt schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Damals entstand auf Initiative des „Reichsbunds der Kriegsopfer Österreichs“ auf dem Grundstück ein Kinderheim für 200 Kriegswaisen, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ein Jahr nach Kriegsende wurde das Grundstück dem neu gegründeten KOBV – Der Behindertenverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland zugesprochen. Bis in die 1960er Jahre blieb die Liegenschaft jedoch ungenutzt.
Für den Bau des heutigen Orthopädischen Klinikums waren letztlich zwei Gründe ausschlaggebend: Einerseits zeigte sich mit der Zeit, dass vor allem amputierte Kriegsbeschädigte ein steigendes Bedürfnis nach Erholung und Rehabilitation hatten. Andererseits stellte sich heraus, dass der Schlamm des Zicksees äußerst positive Effekte in der Behandlung von Phantomschmerzen erzielte. Heute kommt diese Art der Therapie mit gebrauchsfertigen Moor- oder Heublumenpackungen unter anderem im Rückenbereich zur Anwendung.

Geplant war zunächst ein Kur- und Erholungszentrum, das nach einer Bauzeit von drei Jahren im Mai 1968 eröffnet wurde. Der Schwerpunkt lag von Anfang an auf der Behandlung orthopädischer Beschwerden bei Amputierten, der Mobilisierung der Patientinnen und Patienten sowie der Reintegration in den Alltag. Auch die Möglichkeit zur Erholung war von Beginn an ein wesentlicher Aspekt. Nur ein Jahr später wurde der Therapietrakt auf Initiative des damaligen Leiters Prim. Dr. Leopold Zemann erweitert; im selben Jahr wurde das Kur- und Erholungsheim auch in eine Sonderkrankenanstalt umgewandelt.
Breit gefächertes Angebot für physische und psychische Gesundheit
Seit 1971 steht die SKA Zicksee allen Patientinnen und Patienten der Sozialversicherungen im Rahmen des Vertrages zwischen dem KOBV und dem Dachverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger offen.
Damit änderten sich auch die medizinischen Herausforderungen: „Wir haben es heute meistens mit komplexen Krankheitsbildern zu tun“, berichtet Prim. Prof. asoc. Dr. Med. Astrid R. M. Krückhans. Entsprechend breit gefächert ist auch das therapeutische Angebot: Zur Wiedererlangung der Beweglichkeit werden Unterwassertherapie, Physiotherapie, Wassertherapie, Thermotherapie, Kryotherapie, Lymphdrainagen, Elektrotherapie, Heilmassagen, Wärmetherapien mit Moorpackungen, spezielle Gymnastik, physikalische Therapien und Ergotherapie angeboten. Auch Kraft- und Ausdauertraining spielen in der Therapie eine wesentliche Rolle.

Das ärztliche Team, bestehend aus Fachärztinnen und -ärzten für Orthopädie und Traumatologie, Innere Medizin und physikalische Medizin sowie Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern, verfügt über zahlreiche Zusatzausbildungen, wie z.B. Schmerztherapie, Sportmedizin, Akupunktur, Homöopathie und manuelle Therapie.
Im Trainingsraum Prothetik liegt der Schwerpunkt auf dem Neuerlernen der eigenständigen Mobilität nach einer Amputation. Dazu gehören unter anderem die Handhabe der Prothese, Wundpflege oder der Umgang mit dem Liner, der ein selbstständiges An- und Ausziehen der Prothese ermöglicht. Ein im Haus beschäftigter Orthopädietechniker kann kleinere Korrekturen direkt vor Ort in der orthopädischen Werkstatt durchführen, Passteile austauschen oder den regelgerechten Aufbau kontrollieren.
Bei verzögerter Wundheilung kommt das Wundmanagementteam zum Einsatz, um durch gezielte Behandlungen eine optimale Abheilung zu erzielen. Das Team der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger gestaltet die Pflegeprozesse und stellt eine wichtige Schnittstelle zwischen Medizin und Therapie dar.
Zusätzlich gibt es einen psychologischen Dienst. Schließlich spielt die psychische Gesundheit eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Rehabilitation. Das dreiköpfige Team bietet daher unter anderem klinisch-psychologische sowie gesundheitspsychologische Beratungen an, unterstützt aber auch bei Lebensstiländerungen wie der Raucherentwöhnung. Wichtig für einen erfolgreichen Rehabilitationsverlauf ist auch eine ausgewogene Ernährung, um die sich das Team der Ernährungsberatung kümmert. Neben einem abwechslungsreichen Konzept der Speisenauswahl und -zubereitung unterstützen die Mitarbeiterinnen Patientinnen und Patienten u.a. bei stoffwechselbedingten Erkrankungen, Erkrankungen des Verdauungstraktes und Nahrungsmittelallergien- und -intoleranzen.
Entsprechend vielfältig ist das Angebot im Restaurant: Mittags stehen Normalkost, kalorienreduzierte Mischkost, Diabetikerkost und Schonkost zur Auswahl – alles in höchster Qualität und mit regionalen Produkten zubereitet. Das kommt bei den Patientinnen und Patienten sehr gut an: In den Bewertungsbögen der Sozialversicherungen werden die hervorragende Küche, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals regelmäßig mit Bestnoten belohnt.
Dass eine gut funktionierende Verwaltung zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt, schlägt sich ebenfalls in den Bewertungen nieder. Viele Patientinnen und Patienten heben die Leistungen des Reinigungspersonals hervor und loben die Freundlichkeit im Service. Wer bei der Anreise auf die Bahn angewiesen ist, muss die knapp zwei Kilometer lange Strecke zwischen Bahnhof und SKA Zicksee natürlich nicht zu Fuß zurücklegen: Bei Bedarf springen die Haustechniker ein und holen die Neuankömmlinge ab.
Ziel: Eigenständige Lebensführung
Allen Therapie- und Rehabilitationsangeboten ist eines gemeinsam: Sie zielen darauf ab, den Patientinnen und Patienten eine möglichst eigenständige Lebensführung zu ermöglichen. Darum stehen auch Übungen im Vordergrund, die sich auf alltägliche Abläufe konzentrieren, wie die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Gehen auf unterschiedlichen Wegen und Böden.

„Wir wollen unseren Patientinnen und Patienten Top-Therapien und gute Qualität bieten“, sagt Astrid Krückhans. „Dazu gehört, dass wir auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten eingehen können und ihnen eine Behandlung bieten, die dem neuesten Stand der Wissenschaft entspricht“, betont die gebürtige Rheinländerin, die im November 2021 die ärztliche Leitung der SKA Zicksee übernommen hat, und ergänzt: „Speziell bei amputierten Patientinnen und Patienten können wir hervorragende Erfolge verzeichnen, die auch ein Alleinstellungsmerkmal unseres Klinikums darstellen.“
Die Primaria erklärt im Gespräch außerdem, welche Vorteile eine stationäre Rehabilitation gegenüber ambulanten Maßnahmen hat. Der für sie wichtigste Faktor: „Die Menschen sind nicht zuhause, damit weg vom Alltag, und können zur Ruhe kommen.“ Wer möchte, kann auch das Freizeitangebot des Orthopädischen Klinikums nutzen. Dieses reicht vom Hallenbad über einen Billardtisch und einen Wuzzler bis hin zu Gesellschaftsspielen und einer gut bestückten Bibliothek. Viele Patientinnen und Patienten zieht es natürlich auch nach draußen. Schließlich eignet sich die flache Landschaft hervorragend für Spaziergänge oder Wanderungen. Hobby-Ornithologinnen und -Ornithologen kommen im Seewinkel ebenfalls auf ihre Kosten.
Die entspannte Atmosphäre und die mehrwöchige Auszeit vom Alltag haben einen weiteren positiven Nebeneffekt: „Vielen fällt es leichter, ihren Lebensstil zu verändern“, berichtet Astrid Krückhans, „Dinge, die im Alltag oft schwierig zu bewältigen sind, wie eine Ernährungsumstellung, sind hier bei uns etwas einfacher, weil wir sowohl Ernährungsberatung als auch Unterstützung bei der Raucherentwöhnung anbieten.“

Damit die hohe Qualität der Therapien gewährleistet bleibt und die jährlich rund 2.100 Patientinnen und Patienten die SKA Zicksee zufrieden verlassen, bilden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intern wie extern laufend fort. Zusätzlich werden regelmäßig interne Notfallschulungen durchgeführt, bei denen alle Berufsgruppen im Team zusammenarbeiten.
Und was bringt die Zukunft? „Aktuell steht wieder ein größeres Bauprojekt auf dem Programm“, erzählt die Primaria: 14 neue und modern eingerichteten Einbettzimmer werden einen Teil der Bungalows ersetzen, wobei das Bauprojekt bei laufendem Betrieb im heurigen Jahr umgesetzt wird.“
Die SKA Zicksee ist übrigens auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Seewinkel. Bei Aus- und Umbauten sowie Renovierungsarbeiten werden überwiegend Firmen in der nächsten Umgebung beauftragt; Lebensmittel stammen ebenfalls größtenteils aus der Region. Auch Patientinnen und Patienten geben während ihres Aufenthalts Geld aus; viele von ihnen kehren später an den Zicksee zurück, um Urlaub zu machen.