80 Jahre ist es her, seit der KOBV – Der Behindertenverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland aus der Taufe gehoben wurde, der erste Delegiertentag fand am 20. und 21. Juli 1946 statt. Heute zählt der Landesverband über 33.000 Mitglieder sowie fast 2.000 Ehrenamtliche und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – ein guter Grund, in den vier Ausgaben unseres Magazins einen Schwerpunkt zu setzen. Zum Auftakt werfen wir einen Blick auf die Entstehungsgeschichte und wichtige Meilensteine beim Kernthema Arbeitsmarkt.
Starke Stimme von Anfang an
Der erste Landesdelegiertentag des Kriegsopferverbandes für Wien, Niederösterreich, Burgenland fand am 20. und 21. Juli 1946 statt. Mit mehr als 300 Delegierten aus 351 Ortsgruppen und über 53.000 Mitgliedern positionierte sich der 3-Länder-Verband von Anfang an als starke Stimme der Kriegsopfer.
Den Grundstein für die bis heute erfolgreiche Arbeit legte als erster Obmann Bundesrat Franz Schulz, der diese Funktion von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 1956 ausübte. Sein Nachfolger Friedrich Karrer baute auf einem soliden Fundament auf und erweiterte den Wirkungsbereich des Verbandes. Unter seiner Ägide wurde 1968 das Kur- und Erholungszentrum in St. Andrä am Zicksee errichtet (das heutige Orthopädische Klinikum SKA Zicksee). Ihm ist es zu verdanken, dass sich der Verband bereits 1975 für Menschen mit Behinderungen öffnete. Er war es auch, der im Jahr 1978 die Namensänderung zu Kriegsopfer- und Behindertenverband (heutige Kurzbezeichnung KOBV – Der Behindertenverband) initiierte.
1990 legte Friedrich Karrer seine Funktion aus gesundheitlichen Gründen zurück. Seinem Nachfolger Otto Pohanka fiel die Aufgabe zu, den Verband sicher durch eine Zeit zu führen, die durch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche gekennzeichnet war. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gelang es ihm, die Verbandsstrukturen zu modernisieren und zu sichern.
Im Jahr 1999 wurde mit Mag. Michael Svoboda erstmals ein Präsident ohne Kriegsopfer-Hintergrund gewählt. Er sah die Kernaufgabe des Verbandes darin, die Interessen von Menschen mit Behinderungen vor allem gegenüber der öffentlichen Hand zu vertreten sowie den Mitgliedern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. 2023 wurde er von Franz Groschan abgelöst, der sich in zahlreichen Gremien der Behindertenpolitik auf Bundes- und Länderebene für die Interessen von Menschen mit Behinderungen stark macht.
Kernthema Integration in den Arbeitsmarkt
Ein zentrales Thema, das alle Präsidenten in den Fokus rückten, war von Anfang an die Integration von Kriegsopfern bzw. Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt. Schon beim ersten Landesdelegiertentag 1946 wurde der einstimmige Beschluss gefasst, dass nicht die Pensionierung, sondern der Zugang zu sinnstiftender Arbeit und selbstständiger Existenzsicherung Vorrang haben sollte. Dazu war auch eine psychologische Beratung der Betroffenen notwendig: Sie brauchten Selbstvertrauen und die Gewissheit, nach wie vor vollwertige Arbeitskräfte zu sein.
Bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt spielten Trafiken vom ersten Tag an eine zentrale Rolle. Schließlich hatte bereits Kaiser Josef II. im Jahr 1784 mit dem sogenannten „Tabakpatent“ die Basis dafür geschaffen, dass mit der Bestellung zum Tabakfachhändler bzw. zur Tabakfachhändlerin unzähligen Kriegsinvaliden und bis heute Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit der selbständigen Erwerbstätigkeit und Existenzsicherung eröffnet wurde bzw. wird. Ein eigenes KOBV-Trafikreferat unterstützt angehende Trafikantinnen und Trafikanten bei der Bewerbung und bereitet sie gemeinsam mit der KOBV Schulungs GmbH und der Monopolverwaltung auf die Selbstständigkeit vor.
Zeitungsstände sicherten wirtschaftliche Unabhängigkeit
Auch Zeitungsstände erwiesen sich als unerlässliche Chance, wieder ins Berufsleben einzusteigen: Im Jahr 1957 wurde der Verband von der Stadt Wien befugt, den Vertrieb von Zeitungen in insgesamt 150 Zeitungsständen in Wien aufzunehmen. Über 100 Kriegsopfer und Kriegswitwen hatten damit wieder Arbeit und eine gesicherte Existenz. Die Kosten für die Errichtung der Kioske übernahm der Verband. Mit 31. Dezember 1985 legte der KOBV die Befugnis aus betriebswirtschaftlichen Gründen zurück.
Neue Wege mit wienwork
Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine geschützte Werkstatt in Wien, die im Jahr 1982 unter Beteiligung des Verbandes errichtet worden war. Die dahinterstehende WZ Werkstättenzentrum GesmbH, 1981 gegründet, wurde 2001 in die wienwork – integrative Betriebe und AusbildungsgmbH umstrukturiert. Heute beschäftigt wienwork mehr als 820 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 180 Lehrlinge. 70 Prozent der erwachsenen Beschäftigten haben eine Behinderung oder chronische Erkrankung, oder sie waren längere Zeit arbeitslos. Wienwork steht zu 50 % im Eigentum des KOBV – Der Behindertenverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland.