Gemeinsam stärker ist für rund 2.000 Funktionärinnen und Funktionäre tägliche Realität.
Von Anfang an waren Ehrenamtliche das starke Herz des KOBV – Der Behindertenverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Ohne sie wären wesentliche Teile unserer Arbeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. In Bezirks- und Ortsgruppen kümmern sie sich um die Anliegen von Menschen mit Behinderungen, bieten Sprechtage bzw. Sprechstunden an, organisieren Veranstaltungen und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Bei Messen stehen sie Interessierten Rede und Antwort. Engagierte Funktionärinnen und Funktionäre teilen ihre Erfahrungen außerdem regelmäßig in vom KOBV angebotenen Schulungen und erweitern durch diese Ausbildungsmaßnahmen ihr Wissen.
Aktuell sind rund 2.000 Ehrenamtliche in knapp 200 Bezirks- und Ortsgruppen sowie 30 Bezirksarbeitsgemeinschaften täglich für den KOBV – Der Behindertenverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland im Einsatz. Sie alle leben vor, was man gemeinsam erreichen und bewegen kann. Wir haben uns mit dreien von ihnen über ihre Tätigkeit unterhalten.
Ehrenamt erweitert den Horizont
„Ich setze mich einfach gerne für Mitmenschen ein, die Unterstützung benötigen, vor allem, wenn es um eine Materie geht wie die, für die der KOBV lebt“, fasst Konrad Fritz seine Motivation zusammen. Er ist seit Jänner 2018 bei der Bezirksarbeitsgemeinschaft (BAG) Floridsdorf im Einsatz, hat inzwischen die Funktion des Obmanns inne und steht als solcher auch der Ortsgruppe Floridsdorf vor. Er sieht eine ehrenamtliche Tätigkeit und gesellschaftliches Engagement „beinahe als Pflicht“.
Außerdem erweitere eine ehrenamtliche Tätigkeit den eigenen Horizont: „Man darf die Augen nicht vor Problemen verschließen“, sagt Konrad Fritz, „man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, und wenn man sie nicht selbst lösen kann, muss man andere Kanäle finden. Darum ist es auch so wichtig, dass wir Kontakte zu anderen Institutionen knüpfen.“
Einmal pro Monat gibt es Sprechstunden in den Untergruppen Floridsdorf, Leopoldau Mitte und Strebersdorf. Wie alles andere in der BAG Floridsdorf funktionieren auch diese reibungslos, hauptsächlich wegen des engagierten Teams, das für Konrad Fritz einer der Gründe ist, warum er sich beim KOBV – Der Behindertenverband engagiert: „Das persönliche Umfeld hat mich sehr angesprochen. Das ist einfach eine richtig tolle Gruppe von motivierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern.“ Dass er seine Tätigkeit seit knapp zehn Jahren ohne nennenswerte Schwierigkeiten ausüben kann, führt er ebenfalls auf das gut eingespielte Team zurück.
Jede positive Rückmeldung ist ein Höhepunkt
Bemerkenswerte Momente hat er schon oft erlebt: „Jede Rückmeldung von betroffenen Personen, für die wir einen Erfolg erzielen konnten, ist ein Höhepunkt, und davon gab es einige“, berichtet Konrad Fritz, und weiter: „Auch Kleinigkeiten sind immer wieder erfreulich – und wenn es nur ein Gespräch ist, oder das Ausfüllen eines Formulars, oder einfach, dass man sich Zeit für jemanden nehmen kann.“
Und was motiviert ihn nach knapp zehn Jahren noch immer? „Unterstützung und Hilfe anzubieten, wo es notwendig ist, und dabei Menschen kennenzulernen“, bringt Konrad Fritz sein Engagement auf den Punkt.
Was zählt, ist der persönliche Kontakt
Die zwischenmenschliche Ebene ist es auch, die Ernst Stejskal, seit 2021 Obmann der Ortsgruppe Ritzing und seit 2023 Obmann der Bezirksarbeitsgemeinschaft Oberpullendorf, motiviert. „Der persönliche Kontakt zu unseren Mitgliedern ist mir ein besonderes Anliegen“, betont er, „ich nehme mir gerne Zeit, komme zu unseren Mitgliedern nach Hause, um Beratungen oder Anträge zu erledigen, oder auch einfach nur, um gemeinsam einen gemütlichen Kaffee zu trinken.“
Die Ortsgruppe Ritzing sei es auch gewesen, die ihn damals zur Mitarbeit bewogen habe. „Die Ortsgruppe hat mir in einer schweren Lebenslage großen Halt gegeben“, erinnert er sich. Auch die kompetente Beratung der KOBV-Sozialrechtsabteilung habe ihn motiviert, selbst ehrenamtlich tätig zu werden. „Ich denke, jeder von uns hat schon einen Bescheid von seinem Sozialversicherungsträger oder ein amtliches Schreiben erhalten, bei dem es nicht einfach war, den Sachverhalt richtig zu verstehen oder zeitgerecht Einspruch zu erheben“, fasst Ernst Stejskal eine von vielen Hürden zusammen, die sich Menschen mit Behinderungen in den Weg stellen, und weiter: „Gerade für Menschen mit Einschränkungen oder besonderen Bedürfnissen ist es mir wichtig, Hilfestellung zu leisten.“
Rechte für Menschen mit Behinderungen sind keine Almosen
Auch für ihn ist es immer etwas Besonderes, wenn er gemeinsam mit seinem Team etwas erreichen kann: „Da ist einfach dieses Leuchten in den Augen, wenn man eine Angelegenheit im Sinne eines Mitglieds positiv erledigen konnte. Ein Blick sagt dabei oft mehr als tausend Dankesworte.“ Auf nennenswerte Schwierigkeiten sei er während seiner Tätigkeit bislang nicht gestoßen. „Gelegentlich muss man höflich darauf hinweisen, dass Rechte für Menschen mit Behinderungen keine Almosen sind, sondern verfassungsrechtlich geschützt“, erzählt er, „aber uns stehen alle wichtigen Unterlagen für unsere Arbeit zur Verfügung.“
Persönliche Betroffenheit als Motivator
Gleich mehrere Funktionen hat auch Petra Irschik inne. Die Niederösterreicherin ist seit 2018 Funktionärin und wurde damals direkt zur Obfrau der Ortsgruppe Mank gewählt, die mittlerweile in Ortsgruppe Hoch6 umbenannt wurde. Im Jahr 2023 wurde sie zur KOBV-Frauenvertreterin für Niederösterreich gewählt, ein Jahr später nahm sie zusätzlich die Tätigkeit als Obfrau-Stellvertreterin der Bezirksarbeitsgemeinschaft Melk auf.
Auch ihre Motivation war persönliche Betroffenheit: „Ich habe selbst vor einiger Zeit Hilfe gebraucht und bin nach einigem Suchen auf den KOBV gestoßen.“ Im Rahmen des monatlichen Sprechtages will sie die Arbeit und die Angebote des KOBV – Der Behindertenverband bekannter machen und so andere Menschen dabei unterstützen, für sie relevante Informationen schneller zu finden. „Je niederschwelliger das Hilfsangebot, desto besser“, betont Petra Irschik.
Niederschwellige Unterstützung ist das Um und Auf
Unkompliziert zu helfen und Unterstützung anzubieten, ist nach wie vor eine ihrer Hauptmotivationen. „Ich möchte es anderen immer noch einfacher machen, als ich es selbst hatte“, sagt sie. Außerdem fühle sich die Ortsgruppe „wie eine zweite Familie“ an – auch das ist ein Grund, warum sie sich seit knapp zehn Jahren engagiert. Die Sprechtage sind Petra Irschik besonders wichtig, ebenso der Zusammenhalt in der Ortsgruppe. „Das ist keineswegs selbstverständlich und deshalb umso wertvoller“, stellt sie den anderen Funktionärinnen und Funktionären ein gutes Zeugnis aus.
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Anzahl der Veranstaltungen für Mitglieder und solche, die es vielleicht noch werden wollen, zurückgegangen ist. „Unser Ortsgruppenausschuss ist gesundheitlich leider nicht mehr so fit“, sagt Petra Irschik. Auf die Kernarbeit der Ortsgruppe habe das aber keinen Einfluss. Einmal im Monat gibt es Sprechstunden, jeden dritten Mittwoch im Monat trifft man sich beim Stammtisch.
Wie Konrad Fritz und Ernst Stejskal sieht auch sie positive Rückmeldungen als Höhepunkte und Bestätigung ihrer Arbeit: „Besonders freue ich mich, wenn ich die Nachricht bekomme, dass ein Antrag oder eine Klage erfolgreich war – vielleicht sogar unerwartet – und ich spüre, wie sehr sich die betroffene Person darüber freut. Genau dann weiß ich, warum ich diese Arbeit mache.“